WIR PLANZEN MIKROCHIPS IN DEN KÖRPER, HABEN
UNGEAHNTEN SEX UND KLONEN INTELLIGENTE HERMAPHRODITEN. PROPHEZEIT DER KANADISCHE
ZUKUNFTSFORSCHER DR. TOMORROW.
ILLUSTRATIONEN: STEPHEN CAMPBELL
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Wie sieht der Mensch der Zukunft aus? Vielleicht wird der Mann nicht
das herrschende Geschlecht der Zukunft sein, deshalb sollte die Frage besser
lauten: „Wie sieht die Frau der Zukunft aus?"
Die Dampfwalze des Wandels rollt gerade über unseren Planeten und
wird Veränderungen mit sich bringen, wie wir sie uns nie hätten
träumen lassen. Die Überlegung zur zukünftigen Geschlechterdominanz
ist da nur eine von vielen.
Andere Möglichkeiten?
• Frauen könnten für das Kommunikationszeitalter und das,
was danach kommt, besser ausgerüstet sein. Der Bedarf an Muskelfleisch
nimmt ab, die Macht hat sich vom Bizeps in die Birne verlagert. Arbeit
und Prestige für Männer nehmen folglich dramatisch ab. |
• Männer sind immer auf Bildung und Erfahrung angewiesen, wenn
sie Entscheidungen treffen, auch über die Zukunft. Dieses System
ist jetzt schon überholt.
• Frauen treffen Entscheidungen aufgrund ihrer Umgebung, aktueller Veränderungen
und Intuition. Ich glaube, Frauen entscheiden schneller und genauer - sobald
sie erkannt haben, daß sie dazu in der Lage sind.
Dies wiederum wird den Mann verändern. Zunächst spiegelt sich
das m seinen Kleidern wider: Die werden farbenfroher. Dazu kommen bunte
Acces-oires, helleres Haar, Körperlotionen, Parfüms. Irgendwann
wird sich auch die körperliche Gestalt der Männer verändern,
so wie auch Frauen in früheren Epochen ihre Körper verändert
haben - oder zu verändern vorgaben -, als das Rollenverständnis
noch andersherum war.
Für beide Geschlechter wird die Kleidung zweckmäßiger.
Couturiers wie Olivier Lapidus in Paris dekorieren ihre Jacken bereits
mit Solarzellen, die Wärme produzieren oder eingebauten Positionierungsgeräten
Energie spenden (so weiß man immer, wo man sich gerade befindet)
- oder mit Hilfe deren Stromerzeugung man jederzeit Faxe und E-Mails empfangen
und verschicken kann.
Einige Geräte, die man in Form von Mikrochips in den Stoff einarbeitet,
könnten ohne weiteres vom Stoff in den Körper transferiert werden,
wo sie aus unserem körpereigenen Elektrosystem gespeist würden.
Sobald die Chips klein genug sind (und das schon lange vor der eigentlichen
nanotechnologischen Ära), wird so unser Energiebedarf wirklich auf
ein Minimum reduziert.
Die Welt verändert sich immer schneller. Für viele Industrien
ist es schon schwierig, vorherzusagen, was in einem Jahr sein wird, geschweige
denn in 10, 100 oder 1000 Jahren. Alles, was über ein Wochenende hinausgeht,
wird nur noch Spekulation und der Beweis dafür sein, daß unser
Verstand nicht mehr mitkommt. Wenn sich unser Denken verändert, nützt
es nichts mehr, dieselben Fragen zu stellen wie früher.
Und ein weiterer Wandel, noch umwälzender als alles Bisherige,
macht sich vielleicht bald bemerkbar: Hermaphroditen (Menschen mit sowohl
weiblichen wie auch männlichen Geschlechtsorganen) könnten sich
entwickeln, da sie sowohl körperlich wie geistig ausgeglichener sein
sollen. Man sagt, daß sie im Vergleich zu eingeschlechtlichen Menschen
einen etwas höheren Intelligenzquotienten haben. Das könnte den
Ausschlag geben, denn in der Evolution und beim Überlebenskampf braucht
man keine riesigen Vorteile gegenüber einer ähnlichen Spezies,
um von der schnelleren Anpassung an neue Bedingungen zu profitieren.
Aus diesen Veränderungen entwickeln sich neue Arten- Die menschliche
Rasse ist nicht immun gegen die Gesetze der Natur. Falls sich diese dargestellte
Möglichkeit der menschlichen Entwicklung eine sichere Nische schaffen
kann, ist es wahrscheinlich, daß in einer sich rasch verändernden
Welt schon dieser relativ geringe intellektuelle Vorsprung sich tatsächlich
extrem auswirken würde. Falls dies geschieht, könnte eine große
Gruppe geklönter, geistig überlegener Hermaphroditen von einem
Gebiet der Welt aus - oder auch von mehreren - ihre Überlegenheit
ausbauen. Singapur, das man schon jetzt „die intelligente Insel" nennt,
könnte etwa beschließen, daß so eine Politik der vernünftigste
Entwicklungsweg sei.
Durch das Klonen von Menschen könnten in kürzester Zeit auch
Quan-tensprünge in der Bewußtseinsentwicklung zurückgelegt
werden. Dies plus zusätzliches Wissen um Werte ergibt Weisheit. Und
die neue Welt wird eher durch Weisheit als mit Bergen von Gold regiert
werden können.
Unabhängig vom Kampf der Geschlechter werden in 30 Jahren wohl
mehr Kinder außerhalb des Mutterleibs geboren werden. Biotechnologie,
Genetik und Computer könnten Antworten geben, noch ehe uns die richtigen
Fragen dazu eingefallen sind. Man betrachte doch nur die Entdeckungen der
letzten paar lahre: das menschliche Genom, Fortschritte in der Raumfahrt
oder die Fähigkeit, Mikrochips herzustellen, deren Gestalt man nur
unter dem Mikroskop erkennen kann. Minimale Fortschritte bewirken beträchtliche
Veränderungen, die schließtich zu gewaltigen Umwälzungen
ruhren. So hat sich die menschliche Sexualität anders als bei den
meisten Säugetieren schon sehr viel weiter entwickelt. Dabei darf
man nicht vergessen, daß sich die DNA eines Schimpansen nur um zwei
Prozent von der des Menschen unterscheidet! Körperlicher Sex könnte
allerdings auf der Beliebtheitsskala sinken, nicht nur wegen Aids und anderer
Geschlechtskrankheiten. Prostituierte wird es dann kaum noch geben. Der
weltweit festzustellende
Rückgang männlicher Spermaproduktton ist vielleicht schon
ein Vorbote solcher Entwicklungen.
Wenn
der Cybersex etwa erst einmal richtig in Hamburg einschlägt, wird
im Vergleich dazu Heroin wie Hustensaft erscheinen. Die Technologie dafür
haben wir bereits. Nur müssen einige Systeme noch miteinander verbunden
werden. Zu Steuerhandschuhen und Virtual-Reality-HeImen kommen dann enge
Overalls, die das lebensechte Gefühl auf der Haut simulieren.
Die letzten Entwicklungen von MindDrive deuten nur an, was mit einem
Computer allein durch Gehirnwellen schon gesteuert werden kann. Ein einfacher
Gegenstand wie ein Fingerhut auf dem Zeigefinger kann dann beispielsweise
mit entsprechender Software aufgeladen werden, die Sie spüren läßt,
wie sich das neue Seidenkleid Ihrer Partnerin anfühlt, selbst wenn
die gerade in Sydney weilt und Sie in Berlin sind - während Sie beide
gleichzeitig durch die Kokosplantagen auf dem Mond mit den Skiern wedeln.
(Das mag sich widersprüchlich anhören, aber im Cyberspace kennt
die Phantasie keine Grenzen, und physikalische Gesetze gelten nicht.) |
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Dort genießen Sie die Abfahrt, diskutieren die Schönheit
unseres Planeten Erde, wie er da so im All hängt, und kehren auf einen
virtuellen Drink in Ihre virtuelle Villa zurück- Wenn Sie zärtlich
über den Arm ihrer Geliebten streichen, so wird sie das spüren,
wo immer sich ihr Körper auch befinden mag. Soviel zum Vorspiel, es
folgt der ultimative Safer Sex. Cybersex könnte auch den Lebenden
die bisherigen Exklusivrechte am Sex nehmen.
Drogen, die gute Laune machen, sind für niemanden neu, der nicht
mehr in einer Höhle lebt. Evolution ist nicht bloß für
Blumen und Bienen. Es gab sie schon immer, nur nicht so auffällig
wie jetzt, wo sich die Entwicklungen rasend schnell abzeichnen. StimmungsstimuUerer
wird man vermehrt produzieren und ihren Wirkungsbereich beträchtlich
erweitem. Es wird nicht nur bewußtseinsverändemde, sondern tatsächlich
bewußtseinserweiternde intellektuelle „Kurse" geben, in denen den
„Wissenden" katalytisch-photonische Mechanismen zur Verfügung stehen.
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Wir werden immer länger leben, auch wenn neue Krankheiten jede
neue Entwicklungsstufe begleiten werden. Das Wissen darüber, wohin
wir gehen werden, gibt uns jedoch ein paar zukunftsweisende Anhaltspunkte,
so daß wir uns darauf vorbereiten können. Mit Dingen, wie ich
sie jetzt schon habe:
chirurgisch implantierten intraokularen (bionischen) Linsen, die meine
sichere Erblindung verhindert haben. Meine Sehstärke beträgt
nun 20/18, früher lag sie bei 20/300. Ich habe im Alter von 72 meine
Fluglizenzen für Hubschrauber, Heißiuftballon und Flugzeug zurückbekommen.
Viagra mag anderen helfen. |
Winzige Implantate, die langfristig wirkende, sich allmählich auflösende
Kapseln enthalten und erst nach Jahren ersetzt werden müssen, könnten
sich schnell durchsetzen. So etwas wird jetzt schon für die Behandlung
von Prostatakrebs eingesetzt. Es soll die Patienten so lange am Leben halten,
daß sie eines natürlichen Todes sterben können, ohne von
der Krankheit beeinträchtigt worden zu sein. Ähnliche Mittet
wird man auch für viele andere Leiden entwickeln. Und keine Sorge,
der Körper hat genügend Stauraum.
Essen und Trinken wird es weiterhin geben, aber eher als Unterhaltungsprogramm
im Sinne von „leben, um zu essen" und nicht mehr als Überlebensstrategie
„essen, um zu leben". Hydrokultur und Aerokultur zeigen, daß Bäume
(wie zum Beispiel der 22 Jahre alte Feigenbaum in meinem Schlafzimmer)
und Pflanzen keine Erde mehr benötigen, um zu gedeihen. Manche Biologen
fangen in diesem Zusammenhang schon an, intensiv über den Menschen
nachzudenken. Die Gentechnologie hat bereits das Gen isoliert, das ein
Glühwürmchen zum Leuchten bringt, und es in Tabakpflanzen implantiert.
Damit wäre die zuvor „unüberwindbare Barriere" zwischen Menschen",
Tier-, Insekten- und Pflanzenwelt auch genommen. Theoretisch ist alles
möglich.
Mit solchen Möglichkeiten wird aus dem „Wer lebt mit wem?" ein
„Was lebt mit was?" Falls sich die Familien nicht ändern, so ändert
sich aber ganz gewiß die Bedeutung dieses Wortes. Eine gute Idee
für den richtigen Eintritt in das neue Jahrtausend ist bestimmt das
Entsorgen alter Wörterbücher.
Kriege wird es weiterhin geben. Es ging dabei schon immer um Wirtschaft.
Nur wird sich die entscheidende Munition der Zukunft in den Köpfen
dieser Spielverderber befinden - und nicht mehr im Rohr einer Kanone. Räuber
oder Spione von morgen ziehen weder eine Pistole, noch rufen sie: „Geld
oder Leben!" Sie werden sagen: „Rück deine besten Ideen raus!"
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Das, was sich hinter dem Begriff Arbeit verbirgt, hat sich schon so
sehr verändert, daß ich das Wort nur noch selten in den Mund
nehme. Für viele ist Arbeit heute schon eine Mischung aus Lernen,
Produzieren und Spielen. Wenn man das bis jetzt noch nicht erkannt hat,
darf man sich auf eine große Überraschung gefaßt machen.
Die „Armen" und „Reichen" des industriellen Zeitalters werden ersetzt durch
die „Wissenden" und „Unwissenden" von morgen. Seid bereit.
Einige Arbeitsplätze werden so sein wie meine eigene Cyberbude,
ein Hausboot in einem Hafen, eine Skihütte oder andere seltsame Behausungen,
denn radikale Lebensentwürfe werden neue und wilde Formen annehmen-Wenn
das wertvollste Kapital im Kopf steckt, hält man sich am besten dort
auf, wo man sich richtig wohl fühlt und kreativ sein kann. |
Mein Hausboot legt fünf Kilometer im Jahr zurück, ohne sich
wirklich fortzubewegen, denn es hebt und senkt sich viermal am Tag mit
den Gezeiten, immer am Puls der Natur. Andere werden zu Neuen Nomaden,
ständig umherziehend ohne einen Ort, den sie Heimat nennen. Sie tragen
ihre „Büros" bei sich - malen Sie sich die Konsequenzen aus!
Die Transportmittel werden sich weiterentwickeln und noch sicherer,
selbst wenn sie immer schneller, schnittiger, überraschender und komfortabler
werden. Wir werden eines Tages im wahrsten Sinne des Wortes nach den Sternen
greifen können. Das ist der Fortschritt.
Unsere Umwelt wird sich verbessern. Sie hat es ja schon getan. Das Erkennen
eines Problems ist bereits seine halbe Lösung. Die Welt weiß,
was wir unserem Planeten nur noch mit ernsthaften Konsequenzen zumuten
können. Und jemand wird eine Idee entwickeln, wie wir ihn wieder sauber
kriegen und uns diese mit einem tollen Virtual-Reality-Werbefeldzug verkaufen.
Das gilt auch für unsere Städte, und diese neuen Städte
werden geprägt sein durch die Energie, die sie verbrauchen und produzieren.
Menschliche Körperwärme könnte durch spezielle Vorrichtungen
aufgefangen werden, auch der Lärm an den Autobahnen, von schallabsorbierenden
Zäunen etwa, um diese Energien zu verwandeln und anderweitig zu nutzen.
Etwa, indem man daraus praktisch umsonst Elektrizität gewinnt.
Was werden wir in unserer Freizeit tun? Denken Sie schon heute darüber
nach, wie man diese 24 Stunden ausdehnen könnte. Zunächst würden
diese 24 Zeitzonen, die wir auf der Welt haben, durch den Swatch-Takt ersetzt
werden. Das wären 1000 Takte pro Tag. Jeder davon (für die Alten,
die sich noch an jene heute geläufigen Meßeinheiten wie Minuten
und Sekunden erinnern werden) hat eine Dauer von 86,4 Sekunden. Wer nicht
weiß, was „Wir treffen uns um (Takt) 888" bedeutet, wird niemals
in der Lage sein, ein Ferngespräch unter seiner alten Örtlichen
Telefonnummer zu führen. Mit dem Swatch-Takt wird aus jedem Anruf
auf diesem Planeten ein Ortsgespräch.
Und was die Printmedien betrifft: Die wird es alle in einem Paket geben,
das Everybook heißt. Es kann alle Bücher (auch Zeitungen, Illustrierte,
Flugblätter, Handbücher et cetera) der Welt in sich aufnehmen
und sollte in zwei Jahren auf dem Markt sein. Das sind schon heute alles
keine Träume mehr.
Lachen Sie nicht, ich habe die Pläne hierfür schon da: www.everybk.com
Und vergessen Sie nicht: Wenn Sie nicht Teil der Dampfwalze des Wandels
werden, dann werden Sie Teil der Straße.
Der kanadische Zukunftsforscher Dr. Tomorrow alias Frank Ogden. 78.
lebt auf einem Hausboot im Hafen von Vancouver. Der frühere Militär-
und heutige Hobbypilot hat unter anderem zwei Bücher veröffentlicht:
-The Last Book You'll Ever Read" und -Navigating in Cyberspace'. Die Illustrationen
stammen vom amerikanischen Kunsttherapeuten und Illustrator Stephan Campbell.
32. der in New York lebt.